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Geld auf dem Sparbuch: Zinsen so niedrig wie nie | Whitebox
Sparbuch: Zinsen so niedrig wie nie | Whitebox
Geldanlage | 7 min

Geld auf dem Sparbuch: Zinsen so niedrig wie nie

Geschrieben von Nadine Friederichs
2. Dezember 2019
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Inhaltsverzeichnis

      Sie wollen wissen, wie viele Zinsen Sie auf einen Sparbuch erhalten? Wir sagen es Ihnen und erklären zudem, wovon die Sparbuchzinsen abhängen und warum sie derzeit so niedrig sind. Viel wichtiger noch ist aber die Frage, warum das Sparbuch trotz der historisch niedrigen Zinsen noch immer so beliebt ist. Wir haben mögliche Gründe dazu zusammengetragen und zeigen außerdem Alternativen zur klassischen Sparform auf.

      Wie viele Zinsen bekomme ich auf einem Sparbuch?

      Jede Bank kann selbst entscheiden, wie viele Zinsen sie für Geld auf einem Sparbuch bezahlt. Die Zinssätze liegen in Deutschland aktuell zwischen 0,01 Prozent im niedrigsten und knapp unter 1 Prozent im besten Fall, sind insgesamt aber niedrig. Zudem sind sie in manchen Fällen an bestimmte Bedingungen geknüpft. So können die Angebote zeitlich und/oder auf bestimmte Maximalbeträge beschränkt sein. Zudem gibt es oftmals Sonderkonditionen speziell für Neukunden. Etliche Internetseiten und -Portale vergleichen die Zinsen für Sparbücher. Eine solche Auflistung hat aus Sicht von Whitebox für Sie als Anleger aber keinen Mehrwert, denn: 

      1. Egal, ob Sie 0,01 oder 1 Prozent Zinsen auf ihrem Sparbuch erhalten: Da der Zins deutlich unter der Inflationsrate liegt, erhalten Sie weniger Zinsen als Ihr Geld an Kaufkraft verliert. Somit wird Ihr Geld entwertet.
      2. Die Vergleiche sind in der Regel unvollständig — auch beim großen Vergleichsportal mit der 24 im Namen. Außerdem gibt es Anbieter wie financeAds. Diese stellen verschiedene kostenlose Vergleichsrechner zur Verfügung, die Blogger oder Webseitenbetreiber auf ihrer Website einbinden können. Allerdings sind hier nur die Anbieter aufgeführt, die auch Partnerunternehmen von financeAds & Co. sind.
      3. Viele Plattformen heben sogenannte „Empfehlungen“ oder „Tipps“ hervor. Das soll Ihnen als Anleger vermitteln: Dies ist eine gute oder sogar die beste der verfügbaren Optionen. Hier sollten Sie vorsichtig sein. Denn solche Empfehlungen sind häufig von den Anbietern (Banken) bezahlt, um mehr Kunden zu gewinnen. Dadurch sind sie aber nicht immer neutral.
      4. Die verfügbaren Angebote werden immer unübersichtlicher. Als Anleger müssen Sie genau darauf achten, bei wem und zu welchen Bedingungen Sie die entsprechenden Zinsen für ein Sparbuch bekommen. Denn inzwischen tummeln sich in den Vergleichen auch immer mehr Anbieter aus anderen europäischen Ländern. Und hier erhalten Sie zwar manchmal (etwas) höhere Zinsen. Allerdings sind diese — wie bei allen Geldanlagen —  auch bei Sparbüchern mit einem höheren Risiko verbunden. Achten Sie also auf die Bonität der anbietenden Bank.

      Wovon hängen die Sparbuchzinsen ab? 

      Die Höhe der Sparbuchzinsen ist das Ergebnis einer Kette von Faktoren. Ihr Ursprung sind die Leitzinsen, die die Europäische Zentralbank (EZB) bestimmt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ein der Regel von dem “Leitzins“ gesprochen, obwohl die EZB eigentlich drei verschiedene Leitzinsen festlegt:

      • Hauptrefinanzierungszins: Dieser Zinssatz (aktuell 0 %) ist der wichtigste Leitzins der Europäischen Zentralbank. Er ist gemeint, wenn von „dem“ Leitzins die Rede ist. Er gibt an, zu welchem Zinssatz Banken sich innerhalb einer Woche Geld gegen Sicherheiten bei der Zentralbank leihen — sich also refinanzieren — können.
      • Spitzenrefinanzierungszins: Zu diesem Zinssatz (aktuell 0,25 %) können Banken sich bis zum nächsten Geschäftstag Geld von der EZB leihen. Mehr Zinsen wird eine Bank nicht bereit sein, für kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu bezahlen. Daher ist der Spitzenrefinanzierungszins die obere Zinsgrenze für Tagesgelder.
      • Einlagenzins: Zu diesem Zinssatz (aktuell -0,5 %) können Banken ihr Zentralbankguthaben über Nacht im Eurosystem anlegen. Da keine Bank einen Kredit an eine andere Bank zu einem niedrigeren Zinssatz vergeben wird, bildet die Einlagenfazilität faktisch die Untergrenze des Zinses für das Tagesgeld am Geldmarkt.

      Banken sind Wirtschaftsunternehmen. Das bedeutet: Sie wollen möglichst viel Gewinn machen. Aus diesem Grund wirkt der Leitzins sich stark auf die Konditionen aus, die eine Bank an ihre Kunden vergibt. Denn je geringer der Unterschied zwischen Leitzins und bankinternem Zins ist, desto geringer ist die Marge für das Kreditinstitut. Sprich: Desto weniger Geld verdient es.

      Warum sind die Sparbuchzinsen so niedrig? 

      Die sogenannte Niedrigzinsphase, von der seit Jahren alle sprechen, ist inzwischen eigentlich keine Phase mehr, da sie schon seit mehr als zehn Jahren andauert. Ausgangspunkt für die Zinssenkung war 2008 die Finanzkrise: Durch die damalige Verunsicherung haben Banken kaum noch Kredite vergeben und die Verbraucher weniger Geld ausgegeben. Ziel der EZB war es, diese Entwicklung durch die Zinssenkung umzukehren: Die Menschen sollten wieder mehr konsumieren und Kredite aufnehmen — und so die Wirtschaft in Schwung bringen. Dazu hat sie den Leitzins gesenkt mit dem Ziel, mehr Geld in Umlauf zu bringen und es somit „billiger“ zu machen. Denn normalerweise führt das zu höherem Konsum und mehr Investitionen.

      Bislang ist diese Theorie jedoch nicht ausreichend auch in der Praxis erfolgt. Auch wenn es der deutschen Wirtschaft relativ gut geht: Der Aufschwung ist in Europa insgesamt nach wie vor verhalten. Deshalb hat die EZB den Leitzins in den vergangenen Jahren immer weiter gesenkt, bis er im März 2016 erstmalig bei null Prozent lag. Entscheidend für die Frage, warum die Sparbuchzinsen so niedrig sind, ist aber nicht der Hauptrefinanzierungszinssatz, vom dem in der Regel die Rede ist. Wichtiger ist in diesem Zusammenhang der Einlagezins, der seit September 2019 bei minus 0,5 Prozent liegt. 

      Was bedeutet das nun also für eine Bank? Kurz gesagt: Hat eine Bank mehr Kundeneinlagen als sie Kredite vergibt, kann sie diesen Geldüberschuss bei der EZB nicht mehr rentabel anlegen. Im Gegenteil: Sie muss sogar Strafzinsen dafür bezahlen und macht dadurch Verluste. Aus diesem Grund haben die Banken derzeit wenig Interesse an Spareinlagen. Und das wiederum drückt sich in den niedrigen Zinsen aus.

      Werden die Sparbuchzinsen bald wieder steigen?

      Hoffen tun das viele schon seit einigen Jahren. Ob und wenn ja wann es so weit ist, kann jedoch keiner genau vorhersagen. Allerdings sieht es derzeit nicht danach aus, als wenn es kurzfristig so weit wäre. Denn das Problem ist, dass die niedrigen Zinsen bislang noch nicht den gewünschten europaweiten Aufschwung gebracht haben. Und solange das nicht passiert, werden die Zinsen vermutlich niedrig bleiben. Die EZB überlegt derzeit (Stand: November 2019) sogar, den Leitzins noch weiter zu senken. Und die Einstellung der Banken zum Thema Niedrigzinsen scheint sich gerade zu verändern. Denn während zuletzt nur einige Banken die Negativzinsen an den durchschnittlichen Privatkunden weitergegeben haben und dann auch in der Regel nur für Summen über 100.000 Euro, gab es Mitte November erste Meldungen über Banken, die für Kundeneinlagen ab dem ersten Euro Strafzinsen berechnen. 

      Dass weitere Banken den ersten „Beispielen“ folgen, wird also immer wahrscheinlicher — sowohl wenn die Zinsen gleich bleiben als auch umso mehr bei einer erneuten Zinssenkung. Denn irgendwie müssen die Banken Geld verdienen — und der Spielraum abseits der Negativzinsen wird immer geringer.

      Warum ist das Sparbuch trotz niedriger Zinsen so beliebt?

      Diese Frage ist im Grunde eine typisch deutsche Frage. Denn in keinem anderen Land der Welt sind traditionelle Sparbücher und andere Sparkonten so beliebt wie bei uns. Das liegt vermutlich unter anderem daran, dass die Deutschen bei Geldanlagen konservativer sind als Menschen in den meisten anderen Ländern: Sicherheit ist bei deutschen Anlegern das wichtigste Kriterium bei Geldanlagen. Eine Umfrage aus 2019 des Instituts Kantar TNS für den Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat ergeben, dass viele Deutsche bei der Geldanlage vorrangig auf „Sicherheit“ Wert legen — noch vor „Verfügbarkeit“ und „Rendite“. Das heißt im Umkehrschluss: Risiko meiden die Deutschen lieber. Und während deutsche Anleger das Sparbuch aus historischer Sicht eher mit „Sicherheit“ verbinden, steht bei alternativen Anlageformen häufig eher das Risiko im Fokus der Betrachtung.

      Darüber hinaus haben wir einige weitere Gründe zusammengetragen, die zur Beliebtheit des Sparbuchs beitragen könnten: 

      • Erziehung: In vielen deutschen Familien werden Kinder durch das Sparbuch an das Thema Geld sowie das Sparen herangeführt. Sie wachsen somit im Grunde damit auf. Vielleicht verknüpfen deshalb viele Deutsche sparen auf emotionaler Ebene mit dem Sparbuch. Zudem ist es ja in den meisten Lebensbereichen so, dass wir bei Entscheidungen auf bewährte und bekannte Dinge zurückgreifen. Wer also mit dem Sparbuch groß geworden ist, tendiert vielleicht als Erwachsener auch wieder dazu. Vor allem, wenn er außer traditionellen Sparkonten zu keinen anderen Sparformen Berührungspunkte hatte. 
      • Verständnis: Um ein Sparbuch zu eröffnen oder Geld darauf zu sparen und Zinsen zu „erwirtschaften“, muss man kein Finanzexperte sein. Es ist eine Sparform für Jedermann — leicht verständlich und überschaubar. Das gilt für andere Anlageformen nicht unbedingt. Was ist ein ETF oder ein Aktienfonds? Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden? Wie investiere ich in solche Produkte? Solche und weitere Fragen können Finanz-Laien nicht so einfach beantworten. Und Nicht-Wissen ist eine Hürde bei Anlageentscheidungen.
      • Tradition: Das Sparbuch gibt es in Deutschland bereits seit rund 200 Jahren: 1818 beschreibt ein Mitarbeiter der Berliner Stadtsparkasse zum ersten Mal eine sparbuch-ähnliche Anlage: „Über die eingezahlten Summen erhält jeder Interessent ein sogenanntes Quittungs Buch (…) Bei der Präsentation des Quittungs Buches wird dasselbe von der Buchhalterei mit dem Conto im Haupt Buche verglichen, demnächst die resp. Einnahmen oder Ausgaben eingetragen.“ An dieser Grundform des Sparbuchs hat sich bis heute nichts verändert.
      • Unsicherheit: Geld zu sparen, ist wichtiger geworden. Das gilt in besonderem Maße für die Altersvorsorge. Denn früher reichte es, einen Notgroschen für schlechte Zeiten zur Seite zu legen — um die Rente kümmerte sich der Staat. Den meisten Menschen ist bewusst, dass das heute nicht mehr gilt. Was das aber genau bedeutet und wieviel Geld man zurücklegen sollte, um im Alter gut aufgestellt zu sein, das wissen die Wenigsten. Bei dieser Unsicherheit greifen Anleger vielleicht gerne auf eine bekannte Sparform zurück — das Sparbuch. Denn das kennen sie, da wissen sie, was sie bekommen. Und was sie bei den anderen Anlageformen verpassen, wissen sie nicht oder blenden es aus.

      Wie sollte ich anstelle des Sparbuchs Geld ansparen?

      Das wichtigste zuerst: Sie sollten eine Anlageform wählen, auf der Sie mehr Zinsen oder Ertrag erwarten können, als Ihr Geld durch die Inflation an Wert verliert. Das sollte das Mindestziel Ihrer Geldanlage sein. Darüber hinaus ist mehr natürlich immer besser. Welche Anlageform für Sie die richtige ist, hängt dann von mehreren Faktoren ab: Wofür sparen Sie? Über welchen Zeitraum wollen Sie sparen? Welche Summe möchten Sie anlegen? Wie risikobereit sind Sie? 

      Eine Anlage in Fonds, ETFs oder besser noch ETF-Sparplänen hat hier einen entscheidenden Vorteil: Je nachdem, wie sie gewählt und zusammengesetzt werden, können sie unterschiedliche Anlageziele, Summen und Risikostufen abbilden. Sie lassen sich also individuell für Ihre Zwecke gestalten. 

      Wenn Sie darüber mehr erfahren wollen, können Sie das hier tun. Natürlich können Sie sich auch gerne an unsere Experten wenden — sie helfen Ihnen gerne.