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Unternehmensanleihen: Unkomplizierter Zugang über ETFs | Whitebox

Unternehmensanleihen: Unkomplizierter Zugang über ETFs

Geschrieben von Nadine Friederichs
13. Mai 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Wer an ETFs denkt, denkt meist an Aktien-ETFs. Wem überhaupt Anleihen-ETFs in den Sinn kommen, dem fallen meist Staatsanleihen-ETFs ein, zum Beispiel solche, die europäische Staatsanleihen abbilden. Nur: Wegen der Niedrigzinspolitik der weltweiten Notenbanken war damit zuletzt nicht viel zu holen. Was ist also von Unternehmensanleihen-ETFs zu halten?

      Siemens, Fresenius, Pfizer oder Ford: All diese Unternehmen finanzieren sich auch über Anleihen, also festverzinsliche Wertpapiere, die (im Normalfall) regelmäßige Zinszahlungen liefern. Meist bieten solche Unternehmensanleihen (englisch: Corporate Bonds) höhere Zinsen als Staatsanleihen. Der Grund: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen insolvent wird, ist im Vergleich zur Insolvenz eines Staates höher. Für dieses Risiko müssen die Unternehmen den Anleihekäufern einen Renditeaufschlag zahlen.

      Direktanlage in Unternehmensanleihen: Gar nicht so leicht!

      Da die Zinsen von Staatsanleihen seit vielen Jahren am Boden sind, haben Sie vielleicht auch schon einmal darüber nachgedacht, in solche Unternehmensanleihen zu investieren. Dabei haben Sie aber sicher festgestellt: So leicht ist das nicht! Es gibt einige Hürden für private Anleger:

      • Die meisten Anleihen werden nicht über die Börse gehandelt, sondern OTC („Over the counter“) – also im Direkthandel zwischen zwei Marktteilnehmern. Als Privatanleger ist der Zugang also etwas komplizierter.
      • Interessante Neuemissionen sind außerdem schnell weg.
      • Die Mindestanlagesummen sind bei Anleihen oft sehr hoch.
      • Statt einer privatanlegerfreundlichen Stückelung von 1.000 Euro – die es auch gibt – liegt die Mindestanlagesumme oft bei 100.000 Euro. Wer dann noch diversifizieren will, braucht richtig viel Geld.

      Deswegen und weil Sie als Anleger Ihr Geld immer breit streuen sollten („Diversifikation“), spricht einiges für Fonds. Anleihefonds investieren in einen ganzen Korb unterschiedlicher Anleihen. Sie sind schon für einen kleinen Einsatz zu haben.

      Zugang zu Unternehmensanleihen über ETFs: Geht das überhaupt?

      Ja! Das geht. Wie im Aktienbereich gibt es auch bei Anleihen im Allgemeinen und Unternehmensanleihen im Besonderen zwei Möglichkeiten zu investieren: über aktiv gemanagte Fonds und über passive Fonds wie zum Beispiel ETFs (Exchange Traded Funds).

      Unternehmsanleihen-ETFs beziehen sich, wie die meisten ETFs, auf einen Index, in diesem Fall Unternehmensanleihen-Indizes. Diese sind nicht so bekannt wie DAX oder S&P 500. Sie können, wie ihre Pendants im Aktienbereich, unterschiedliche Ausrichtungen haben. Bekannte Anleiheindizes sind die Bloomberg Barclays-, die Markit iBoxx- und die J.P. Morgan Bond-Indizes. Innerhalb dieser und anderer Indexfamilien existiert eine große Palette von Indizes mit bestimmten Schwerpunkten. Hier einige Beispiele (Lassen sie sich nicht abschrecken von den Wörterschlangen!):

      • Bloomberg Barclays Euro Corporate Bond Index: Der Index bildet auf Euro lautende Anleihen mit Investment-Grade-Rating ab.
      • Bloomberg Barclays Global Aggregate Corporate Bond Index: Der Index bildet Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating von Emittenten aus Schwellen- und Industrieländern ab.
      • Markit iBoxx Global Developed Markets Liquid High Yield Capped Index: Der Index bildet hochverzinsliche Unternehmensanleihen von Emittenten aus Industrieländern ab.
      • P. Morgan CEMBI Broad Diversified Core Index. Der Index bildet auf US-Dollar lautende Unternehmensanleihen aus Schwellenländern aller Laufzeiten ab.

      Unternehmensanleihe-ETFs: eine große Vielfalt

      Welchen Schwerpunkt die ETFs haben, können Sie am Namen erkennen:

      • Länder/Regionen (Beispiele: „Eurozone“, „USA“, „Global“): Dabei handelt es sich um die Länder/Regionen, deren Anleihen der ETF abbildet. Eine Besonderheit: Es gibt auch Indizes, die bewusst bestimmte Länder oder Branchen ausschließen. Erkennbar ist das an Bezeichnungen wie „Europe ex UK“, oder „ex financials“.
      • Laufzeiten/Duration (Beispiele: „0-3 y“, „1-5 y“, „ultrashort“, „Short Duration“): Dabei handelt es sich um die Laufzeiten der im Index enthaltenen Anleihen (nicht um die Laufzeiten der ETFs!).
      • Währung (Beispiele: „Euro”, “US-Dollar”, “local currency”): Dabei handelt es sich um die Währung, auf die die Anleihen lauten. Manchmal sind die ETFs auch währungsgesichert (z.B. „Euro Hedged“). Schwellenländeranleihen werden in der Regel in US-Dollar oder in lokaler Währung („local currency“) aufgelegt.
      • Bonität (Beispiele: „Investment Grade“, „High Yield“, „BBB-BB”): Rating-Agenturen wie Standard & Poors verteilen zur Beurteilung der Bonität Ratings von AAA bzw. Aaa (je nach Rating-Agentur) über B- und C-Ratings bis hin zu D. „Investment Grade“ steht für Anleihen mit gutem Rating, „High Yield“ für solche mit höheren Risiken und Renditen.
      • Gewichtung (Beispiele: „equal weight“): In der Regel werden Wertpapiere in Indizes nach Marktkapitalisierung („market-weight“) gewichtet. Bei Anleihe-ETFs ergibt sich dadurch das Problem, dass Anleihen von hoch verschuldeten Emittenten höher gewichtet sind. Um dem entgegenzuwirken, wurden Indizes entwickelt, die Wertpapiere gleichgewichten („equal weight“).
      • Nachhaltigkeit (Beispiele: „ESG“, „SRI“): Auch im Anleihebereich gibt es seit einiger Zeit immer mehr Indizes, die Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Solche Indizes werden mit ESG (Environmental, Social and Governance) oder SRI (Socially Responsible Investing) gekennzeichnet.

      Unternehmensanleihen-ETFs mit Vor- und Nachteilen

      Was ist also von Unternehmensanleihen-ETFs zu halten? Hier einige Pros und Cons:

      Pro

      • zusätzliche Diversifikationsmöglichkeit für das Portfolio
      • höhere Zinsen als Staatsanleihen-ETFs
      • geringere Volatilität als Aktien-ETFs
      • Zugang zu einer ansonsten schwer zugänglichen Anlageklasse mit hohen Mindestanlagesummen und (häufig) wenig Liquidität
      • keine Laufzeitbegrenzung: ETFs ersetzen auslaufende Anleihen durch neue
      • im Vergleich zu Aktien mehr Sicherheit im Fall von Unternehmensinsolvenzen (Halter von Anleihen werden dann vor Aktieninhabern bedient)
      • wie bei ETFs generell: einfach, transparent, liquide, günstig

      Contra

      • Ausfallrisiko der Anleihen (Zinszahlungen, Tilgung) mit Auswirkungen auf ETFs. Achtung: Ratings geben einen Anhaltspunkt für die Bonität eines Unternehmens, bieten aber keine Garantie und können sich auch schnell ändern.
      • Zinsänderungsrisiko: Steigen die Zinsen, werden ältere Anleihen unattraktiver und sinken im Kurs, mit möglichen Auswirkungen auf ETFs.
      • Liquiditätsrisiko: Manche Unternehmensanleihen sind weniger liquide als Staatsanleihen oder Aktien. Sinkt die Liquidität, etwa im Fall einer Krise, konnten ETFs zwar in der Vergangenheit weiter gehandelt werden, die An- und Verkaufs-Spreads stiegen aber deutlich.
      • Währungsrisiko: Unternehmensanleihen-ETFs in Fremdwährungen, etwa US-Dollar, enthalten ein Währungsrisiko.

      Welche Rolle spielen Anleihefonds für Whitebox?

      Im Ergebnis können Unternehmensanleihen als Teil des Portfolios neben Aktien, Staatsanleihen und evtl. auch Rohstoff- oder Immobilieninvestments zur Diversifikation beitragen.

      Auch wir bei Whitebox integrieren Unternehmensanleihen in Form von ETFs in unsere Portfolios. Für uns sind Unternehmensanleihen-ETFs wichtiger Diversifikator, sie liefern außerdem ein regelmäßiges Einkommen durch berechenbare Kuponzahlungen. Unternehmensanleihen-ETFs können damit das Gesamtrisiko des Portfolios reduzieren. Mit kostengünstigen ETFs setzen wir auf viele verschiedene Unternehmensanleihen aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichem Risikoprofil. Derzeit investiert Whitebox über ETFs in europäische und globale Unternehmensanleihen.