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Das Anleihe Universum bietet vielfältige Anlagemöglichkeiten | Whitebox
Anleihen | Investieren | 7 min

Das Anleihe-Universum bietet vielfältige Anlagemöglichkeiten

Geschrieben von Whitebox-Redaktion
17. Juli 2020
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Inhaltsverzeichnis

      Anleihen sind auch als Renten, Bonds oder Obligationen bekannt. Dabei handelt es sich um Verbindlichkeiten oder Schulden, die Sie einem Staat oder einem Unternehmen einräumen. Die beiden bedeutendsten Anleiheformen sind Staatsanleihen und Unternehmensanleihen. Anleihen bieten zwar meist eine vergleichsweise geringe Verzinsung, können jedoch helfen, Schwankungen im Portfolio auszugleichen.

      In diesem Artikel erfahren Sie, …:

      • … was Anleihen sind.
      • … wie Anleihen funktionieren.
      • … welches Chancen- und Risiko-Profil Anleihen besitzen.
      • … wie Anleger mit Anleihen das Portfolio diversifizieren können.

      Was sind Anleihen?

      Eine Anleihe ist eine Schuldverschreibung. Das bedeutet: Im Zuge einer Anleihe-Emission leiht sich der Emittent für eine vereinbarte Laufzeit und Verzinsung Kapital bei den Anleihekäufern, auch Zeichner genannt. Als Zeichner sind Sie somit Gläubiger des Emittenten und erhalten dadurch ein Recht auf Verzinsung sowie auf Rückzahlung Ihres eingesetzten Kapitals. Wenn Sie eine Anleihe kaufen, entspricht diese normalerweise einem Teilbetrag des gesamten Anleihevolumens. Denn die Anleihevolumen sind in der Regel mehrere Millionen oder sogar Milliarden Euro hoch und werden daher gestückelt. Jede Teilstückelung gibt der Emittent dabei in der Regel zu 100 Prozent des Nennwerts („pari“) heraus. Dann entspricht der Kurswert dem Nennwert.

      Wer gibt Anleihen aus?

      Regierungen, Unternehmen und Kommunen platzieren Anleihen, wenn sie finanzielle Mittel benötigen. Wenn Sie als Anleger eine Staatsanleihe kaufen, leihen Sie somit einer Regierung Geld. Kaufen Sie hingegen eine Unternehmensanleihe, gewähren Sie entsprechend einem Unternehmen einen Kredit.

      Welche Risiken und Renditen bieten Anleihen?

      Wie lange der Zeitraum bis zur Fälligkeit einer Anleihe ist, kann von großer Bedeutung für die Höhe der Risiken sowie der potenziellen Renditen sein. Demnach wird eine Anleihe im Wert von einer Million Euro, die innerhalb von fünf Jahren zurückgezahlt wird, im Allgemeinen als risikoärmer erachtet als dieselbe Anleihe, die über einen Zeitraum von 30 Jahren zurückgezahlt wird. Das hängt damit zusammen, dass Obligationen, die über einen Zeitraum von 30 Jahren emittiert werden, im Zeitablauf größeren Risiken und Kursschwankungen unterliegen als die sogenannten „Kurzläufer“ wie beispielsweise fünf-oder zehnjährige Anleihen. Wegen dem zusätzlichen Risiko, mit dem Anleihen längerer Laufzeit behaftet sind, muss der Emittent dem Anleger einen höheren Zinssatz oder Kupon für die Anleihe zahlen. Dementsprechend dürfte ein Investor, der langlaufende Anleihen hält, höhere Renditen erzielen. Im Gegenzug für diese Rendite nimmt er jedoch zusätzliche Risiken in Kauf.

      Wie funktionieren Anleihen?

      Anders als Aktien werden Schuldverschreibungen an der Börse in Prozent vom Nennwert gehandelt. Der Nennwert einer Anleihe ist der Schuldbetrag. Sprich: Die Summe, die der Emittent Ihnen als Inhaber schuldet und den Sie am Ende der Laufzeit zurückbekommen. Zudem zahlt der Emittent Ihnen die laufenden Zinsen auf den Nennwert, der auch als Nominalwert bezeichnet wird. Wenn Sie eine Anleihe während ihrer Laufzeit an der Börse handeln, wird der aktuelle Kurs (Kurswert) in Prozent des Nennwerts angegeben („Prozentnotiz“). Der Kurswert kann dann unter 100 Prozent („unter pari“) fallen oder auch über 100 Prozent („über pari“) des Nennwerts steigen.

      Wie wirkt sich das Zinsniveau auf Anleihen aus?

      Als Faustregel gilt: Steigt das Zinsniveau, so werden neu begebene Anleihen den Anlegern höhere Zinszahlungen erbringen als alte Anleihen, bei denen es üblicherweise zu einem Preisverfall kommt. Fallende Zinssätze bedeuten hingegen, dass ältere Anleihen höhere Zinsen erbringen als neue und demnach meist mit einer Prämie am Markt gehandelt werden.

      Somit kann auf kurze Sicht ein fallendes Zinsniveau den Wert der in einem Portfolio gehaltenen Anleihen erhöhen, während steigende Zinssätze sich negativ auf ihren Wert auswirken können. Auf lange Sicht kann sich die Rendite eines Anleihenportfolios durch einen Zinsanstieg jedoch auch erhöhen, da das Anlagevermögen der fälligen Anleihen in höher rentierliche Anleihen reinvestiert wird. Umgekehrt wird das Anlagekapital fälliger Anleihen in einem Umfeld sinkender Zinsen möglicherweise in neue Anleihen reinvestiert, die mit geringeren Zinszahlungen einhergehen und die längerfristigen Erträge somit verringern können.

      Welche Rolle spielt die Bonität des Emittenten?

      Ähnlich einem Darlehen gehen Anleihen mit periodischen Zinszahlungen einher, wobei die Zinsen sich nach der Bonität des Schuldners richten. Je geringer die Bonität, desto höher sind zumeist die Zinsen und umgekehrt. Daneben spielt auch das allgemeine Zinsniveau bei der Verzinsung von Anleihen eine wichtige Rolle. Bei Anleihen mit solider Bonität handelt es sich in der Regel um eine relativ sichere Anlageform, da der Emittent das Kapital typischerweise am Laufzeitende zurückbezahlt.

      Wie wird das Kreditrisiko eines Anleiheemittenten ermittelt?

      Da Anleihen auch das Risiko von Zahlungsausfällen des Emittenten bergen oder dieser das Darlehen nicht in vollem Umfang zurückzahlen kann, wird das Ausfall- bzw. Kreditrisiko eines Anleiheemittenten durch unabhängige Ratingagenturen beurteilt. Diese Credit-Ratings unterstützen Anleger dabei, die Risiken einzuschätzen und die Zinssätze zu bestimmen. Ein Emittent mit einem guten Credit-Rating wird dementsprechend geringere Zinszahlungen leisten als ein Emittent mit schlechterem Rating. Auch hierbei gilt, dass Anleger durch den Erwerb von Anleihen mit niedrigen Ratings potenziell höhere Renditen erzielen können, im Gegenzug dafür müssen sie jedoch das höhere Ausfallrisiko des Emittenten in Kauf nehmen.

      Die Bewertungsskala reicht etwa bei Ratingagenturen wie Standard & Poor's (S&P) von der Bestnote „AAA“ Schuldner höchster Bonität, deren Ausfallrisiko als sehr gering eingeschätzt wird, bis zum schwächste Rating – meist „D“, also Schuldner, die bereits ganz oder zum Teil zahlungsunfähig sind. Eine wichtige Grenzmarke ist bei allen Ratingagenturen und bei den Investoren die Einstufung als „Investmentgrade-Rating“ (BBB bei den S&P und Fitch bzw. Baa bei Moodys. Der spekulative Bereich beginnt bei BB+ (Fitch und S&P) oder Ba (Moody’s). Diese Marke gilt als deutliches Warnsignal, da ab diesem Rating die Ausfallrisiken des Emittenten überproportional ansteigen.

      Welche Arten von Anleihen gibt es?

      Nachdem wir nun die Frage „Was sind Anleihen?“ behandelt haben, wollen wir im Folgenden auf die unterschiedlichen Varianten von Anleihen eingehen:

      • Staatsanleihen
      • Unternehmensanleihen
      • High-Yield-Anleihen
      • Schwellenländer-Anleihen
      • Inflationsindizierte Anleihen

      Staatsanleihen und Unternehmensanleihen repräsentieren die größten Sektoren des Anleihemarktes.

      Was sind Staatsanleihen?

      Die Kategorie der staatlichen Schuldverschreibungen ist breit und umfasst sämtliche der von einem Staat begebenen Schuldtitel. Zu den bekanntesten staatlichen Schuldverschreibungen zählen US-Treasuries, deutsche Bundesanleihen, britische Gilts oder japanische JGBs. Darüber hinaus begeben einige Regierungen Staatstitel, die an die Inflation gekoppelt sind. Bei inflationsgebundenen Anleihen passen die Emittenten die Zinszahlungen und/oder das Anlagekapital regelmäßig an, um mögliche Änderungen der Inflationsrate zu reflektieren, und biete somit eine „reale“ bzw. inflationsbereinigte Rendite. Deutsche Staatsanleihen zum Beispiel sind ein Investment mit einer der geringsten Risiken weltweit. Dementsprechend niedrig sind in den aktuellen Niedrigzinszeiten aber auch ihre Renditen. Bei Bundeswertpapieren mit relativ geringer Restlaufzeit erhalten Anleger im Verlauf der letzten Jahre sogar keine Rendite mehr, sondern sie müssen Geld an die Bundesrepublik bezahlen. 

      Was sind Unternehmensanleihen?

      Neben dem staatlichen Sektor stellten die Anleihen von Unternehmen in der Vergangenheit das zweitgrößte Segment des weltweiten Anleihenmarkts dar. Unternehmen begeben Unternehmensanleihen, auch Corporate Bonds genannt, als Alternative zur Kreditfinanzierung von Banken. Die Bonität der Anleihe ist von der Finanzkraft des Unternehmens und der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells abhängig. So weist eine Anleihe mit erstklassigem Rating eine niedrigere Rendite auf als Anleihen mit einem schlechten Rating. Unternehmensanleihen lassen sich in zwei breite Kategorien einteilen: Investment-Grade- und Speculative-Grade-Anleihen (auch bekannt als High-Yield- bzw. Hochzinsanleihen oder Junk-Bonds bzw. Schrottanleihen). 

      Was sind High-Yield-Anleihen?

      Hochzinsanleihen zeichnen sich nicht nur durch ihre Erträge aus. Aufgrund der geringen Korrelation mit anderen Anlageklassen und aktienähnlichen Renditen mit niedrigerer, langfristiger Volatilität können sie eine wichtige Ergänzung in einem diversifizierten Portfolio sein. Hochzins oder High-Yield-Anleihen werden von Staaten oder Unternehmen mit sehr niedrigem Rating (schlechter als „BBB-“) ausgegeben. Aufgrund des Ausfallrisikos sollten private Anleger diese Anleihe-Form nur im Rahmen eines breit diversifizierten Portfolios erwerben.

      Was sind Schwellenländer-Anleihen?

      Staats- und Unternehmensanleihen, die durch Schwellenländer begeben werden, sind auch als Schwellenländeranleihen bzw. Emerging-Markets-Anleihen bekannt. Laut dem Analysehaus Morningstar hat insbesondere die expansive Geldpolitik der Notenbanken in den Industrieländern in den vergangenen zehn Jahren einen regelrechten Run auf Emerging-Markets-Bonds bewirkt. Zwar haben Schwellenländeranleihen deutliche Default- und Währungsrisken, dafür werden Anleger typischerweise mit höheren Renditen belohnt. Diese Anleihen werden in den wichtigsten Fremdwährungen begeben – zum Beispiel dem US-Dollar, dem Euro oder in der jeweiligen Lokalwährung.

      Was sind inflationsindizierte Anleihen?

      Bei inflationsindexierten Anleihen bleibt der Zinssatz während der Laufzeit gleich und bezieht sich auf den variablen Nennwert. Der wird nach einer vorher festgelegten Zeitspanne um die aktuelle Inflationsrate fortgeschrieben. Dieser Zuschlag sorgt dafür, dass der Kaufkraftverlust eines Investments fortlaufend wieder aufgefangen wird. Bei anziehender Preissteigerungsrate erhöhen sich für den Besitzer solcher Anleihen sowohl die laufenden Zinsen als auch der bei Rückzahlung fällige Nennbetrag.
      Die Inflationsabsicherung ist nicht umsonst: So liegt der Zinskupon bei der Emission unter dem von Festverzinslichen mit gleicher Laufzeit. Für Anleger könnten sich inflationsorientierte Anleihen als ein lohnendes Investment erweisen, wenn die Inflationserwartungen wieder anziehen.

      Warum sollten private Anleger Anleihen erwerben?

      Es gibt unterschiedliche Gründe, warum sich Anleger für einen Erwerb von Anleihen entscheiden: zum Kapitalerhalt, zur Einkommensgenerierung, zur Diversifizierung sowie als Absicherung gegen mögliche Kursturbulenzen an den Kapitalmärkten und/oder in Zeiten von Wirtschaftsabschwüngen. Im Zuge der Kursschwankungen in den letzten Jahren ist der Kapitalerhalt für Anleger wichtiger geworden: Denn im Gegensatz zu Aktien ist die Rückzahlung des Anlagevermögens bei Anleihen auf ein bestimmtes Datum bzw. einen Fälligkeitstermin festgelegt. Dies macht Anleihen zu einem attraktiven Anlageinstrument für Anleger, die nicht bereit sind, einen Verlust ihres Anlagevermögens zu riskieren, sowie für Anleger, die zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt Verbindlichkeiten nachkommen müssen.

      Da Anleihegläubiger nach einem festgelegten Zeitplan – ob vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich - Zinszahlungen des Anleiheemittenten erhalten, eignet sich dieses Instrument auch dazu, Einkommen zu generieren. Weil Anleihekurse aus unterschiedlichen Gründen anziehen können - beispielsweise durch ein sinkendes Zinsniveaus oder eine verbesserte Kreditwürdigkeit des Emittenten – lassen sich damit auch Kapitalzuwächse generieren. Zudem können Anleger die Anleihen im Anschluss an eine Kurssteigerung oder vor Laufzeitende verkaufen, um so einen Wertzuwachs zu erzielen. 

      Wie können Anleiheinvestoren ihr Portfolio diversifizieren?

      Anleihen können zur Diversifizierung eines Anlageportfolios beitragen. Denn ein wichtiger Faktor, um das eigene Portfolio zu diversifizieren, ist ein breites Spektrum unterschiedlicher Anlageklassen – von Aktien und Anleihen über Rohstoffe bis hin zu alternativen Anlagen. So reduzieren Sie das Risiko in ihren Portfolios. Innerhalb des Anlagesegments kann die Streuung über Schuldner, Branchen, Regionen und Laufzeiten erfolgen. Daneben können Anleger ihre Portfolios neben den vermeintlich sicheren Staatsanleihen auch mit Unternehmens- oder hochverzinslichen Anleihen (High Yield) mischen.

      So setzt der digitale Vermögensverwalter Whitebox auf Basis seines Value-Ansatzes auf viele verschiedene Staats- und Unternehmensanleihen aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichem Risikoprofil. Derzeit investiert Whitebox über kostengünstige ETFs in europäische und globale Staats- und Unternehmensanleihen, US-Staatsanleihen, Anleihen von Schwellenländern sowie inflationsindexierte Anleihen der Eurozone. Die Gewichtung der Anleihen in unseren Depots hängt dabei sowohl von den Bedingungen an den Kapitalmärkten als auch von Risikopräferenz des jeweiligen Anlegers ab.

      Zwar können Sie sich als Privatanleger auch in Eigenregie ein Portfolio aus Indexfonds zusammenstellen, indem Sie in eine Kombination von Staats-, Unternehmens- und Hochzinsanleihefonds investieren. Für private Anleger ohne ausreichende Kenntnisse über Erfahrungen mit Anleihen-Investments ist es mitunter jedoch kaum möglich, sich ein individuelles Portfolio zusammenzustellen. Zudem sollte das Portfolio nicht allein aus Anleihen bestehen, sondern – über alle Anlageklassen hinweg – breit diversifiziert sein.